Das Minguet Quartett ist Preisträger 2010


Kammermusikeinspielung des Jahres, 20./21. Jahrhundert
Minguet Quartett, Peter Ruzicka: Sämtliche Werke für Streichquartett
Neos Music  

ECHO KLASSIK 2010 AN DAS MINGUET QUARTETT



[...]das Spiel der vier Musiker hat auch jene seltene Qualität, wie sie einst etwa beim jungen András Schiff zu finden war: eine Mischung aus Zartheit, Innigkeit und Unschuld[...] mehr


Pablo Minguet war ein spanischer Philosoph des 18.Jahrhunderts, der sich in seinen Schriften darum bemühte, dem breiten Volk Zugang zu den Schönen Künsten zu verschaffen - für das Minguet Quartett ist dieser Gedanke künstlerisches Programm.


Termine

15.09.2010: Brucknerfest Linz [mehr]

17.09.2010: Brugg CH [mehr]

19.09.2010: Bonn, Beethovenfest [mehr]

24.09.2010: Bonn, Beethovenfest [mehr]



Einen wahren Zaubergarten eröffnet


Minguet-Quartett begeisterte das Publikum - Schwelgerische Sinnlichkeit vom Feinsten - Ein klanglicher Hochgenuss.

Mit dem MinguetQuartett war eine der prominentesten deutschen Streichquartett-Formationen zu Gast in der Reihe "Mosbacher Klassische Konzerte" in der Alten Mälzerei. Haydns "Lerchenquartett" D-Dur machte den Anfang des Abends und hier zeigte das Minguet-Quartett schon einen wesentlichen Teil seiner Stärke und seines Gespürs für den Klassiker. Leichtgewichtigen spielerischen Elan und Esprit entwarfen die Musiker dabei, überaus transparent wurden alle Verläufe durchzeichnet.

Schönste Hingabe und Beredsamkeit erhielt der langsame Satz in einem Spiel voller Feinsinn und butterweicher instrumentaler Gesänge. Bei alldem musizierten die vier sehr stilvoll, schlank und fein im Klang. Leichtigkeit und Schwungkraft, stürmender Elan und fein zerstäubte Impulse waren dabei trefflich vereint.

Das Minguet-Quartett spielt sämtliche Werke immer aus den Partituren, so dass jeder Spieler auch die Noten seiner Mitspieler vor Augen hat. Da weiß jeder, was der andere macht und dementsprechend hochgespannt ist das Spiel. Sehr viel Leben, Bewegung und Emotion ist hier innerhalb des Spiels von Ulrich Isfort und Annette Reisinger (Violinen), Aroa Sorin (Viola) und Matthias Diener (Violoncello).

"Des war ebbes ... Des war bestimmt schwer zu spiele, awwer .. ich kann damit nix afange", meinte ein Besucher in der Pause, noch ganz unter dem Eindruck von Wolfgang Rihms 10. Quartett. Für einen Teil des Publikums mag diese Musik starker Tobak gewesen sein, der Großteil aber lauschte den modernen Klängen sehr konzentriert und belohnte die Aufführung am Ende mit lebhaftem Beifall.

Zeitgenössische Musik ist ein fester Bestandteil im Repertoire des MinguetQuartetts, das sich insbesondere für die Werke Rihms immer wieder einsetzt. Sämtliche zehn Quartette des Karlsruher Kompositions-Professors haben die Minguets bereits mehrfach aufgeführt. Zwei stille Ecksätze umgeben "Battaglia/Follia", den zentralen Satz dieses Werkes. Zwischen Kriegsgetümmel und vergnügtem tänzerischem Spaß pendelte dieser große Mittelsatz in furioser Schärfe.

Eine kantig-erhitzte und vor Leidenschaftlichkeit vibrierende Musik, die hier große rhythmische Markanz und klangliche Schroffheit erhielt in einer mit hoher Emotionalität und Energie aufgeladenen Wiedergabe. Das Kinderlied "Taler, Taler, du musst wandern" hat Rihm gleichfalls in diesem Satz aufgefangen, klanglich verfremdet und ironisch verschärft. Eine grelle Burleske entstand somit daraus. Große meditative Innerlichkeit erhielt der Schlusssatz, verwehte Harmonien, verhauchende Klänge, die wie eine ferne Erinnerung an das Vorangegangene tönten.

Maurice Ravels Streichquartett gab es nach der Pause bei diesem SWR-Mitschnitt. Wunderbar weich konturiert, herrlich warm und schmiegsam im Klang musizierte das Minguet-Quartett: da spürte man die Düfte und Farben einer mediterranen Landschaft. Dabei wurde ein wahrer Zaubergarten eröffnet, schwelgerische Sinnlichkeit vom Feinsten: ein klanglicher Hochgenuss! Betörend weiche Töne von verführerischer Wirkung, mit großem Feinsinn geformte zarte Gespinste und flimmernde Farben wurden vereint zu einem Spiel der Extraklasse.

Eine Fülle des Wohllauts in edlen Schattierungen. Und wie viel Temperament und Feuer die vier Musiker neben all der Delikatesse draufhaben, zeigten sie im Finale, deren kräftig entwickeltes Farbenspektrum sie großartig glühen ließen.

Groß war die Publikumsbegeisterung am Ende, wofür sich das Minguet-Quartett mit der "Kavatine" von Erwin Schulhoff bedankte: eine schwelgerisch musizierte, impressionistisch anmutende Musik, die dem Farbensinn Ravels kaum nachstand.

Von Rainer Köhl - Rhein-Neckar-Zeitung



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